Die Große Silbermannorgel im Freiberger Dom

Als Gottfried Silbermann nach den Lehrjahren bei seinem Bruder Andreas aus dem Elsass nach Sachsen zurückkehrte, erhielt der erst 27-Jährige 1710 den Auftrag zum Bau eines dreimanualigen  Instruments im Freiberger Dom St.Marien. Der Leipziger Thomaskantor Johann Kuhnau galt dabei als Fürsprecher des jungen Orgelbauers und examinierte am 14. und 15. August 1714 das fertige Instrument.

Die Besonderheit der Großen Domorgel zeigt sich konzeptionell in der geschickten Mischung von französisch-elsässischem und mitteldeutschem Stil, praktisch in der hohen handwerklichen Qualität und erstaunlichen Intonationsgüte. In ihrer Stilvermengung stellt die Orgel so eine Besonderheit dar, derer sich Gottfried Silbermann so nie wieder annahm. 

Bis heute ist die Große Silbermannorgel nahezu nicht verändert worden. Dies macht sie zu einem der wertvollsten und bedeutendsten Instrumente der Barockzeit. Die ungewöhnlich hohe Stimmtonhöhe, fast ein Ganzton über heutigem Kammerton a´, wie auch eine ungleichschwebende Stimmung sind erhalten geblieben. Die klangliche Qualität der Orgel in Kombination mit einer unvergleichlichen Akkustik und dem beeindruckenden spätgotischen Kirchenraum bringt bis heute nicht nur Musikfreunde aus aller Welt zum schwärmen.

Gut gepflegt vom Meister und seinen Gesellen

Der ausgesprochen gute Erhaltungswert der Großen Silbermannorgel hat verschiedene Ursachen. Silbermanns Gesellen pflegten die Orgel zu seinen Lebzeiten trotz eines Verbots des Meisters, der mit dem Rat im Streit lag. Dass Silbermann wie auch seine Nachfolger und Schüler Johann Georg Schöne und Adam Gottfried Oehme ihre Werkstatt in Sichtweite des Doms am Schloßplatz hatten, war dabei sicherlich von Vorteil. In der so genannten Kurrendekammer im hinteren Teil der Orgel  finden sich an den Wänden schon aus dem 18. Jahrhundert  zahlreiche Namenseinträge von Meistern, die das Instrument gepflegt haben. Im 19. Jahrhundert scheiterten Versuche, das Instrument umzustimmen, zunächst an „gänzlich unzulänglichen“ Geldmitteln (1841), später am Widerstand des Domorganisten und des Domkantors (1853). Auch der Domorganist Arthur Eger wusste die Orgel in den ersten Jahren seines Wirkens nach 1926 vor einem Umbau zu bewahren. 

In den 50er Jahren wurden vorgenommene Veränderungen in der Luftversorgung weitgehend wieder rückgängig gemacht. 1981 bis 1983 erfolgte durch die Dresdner Orgelbaufirma Jehmlich mit ihrem damaligen Restaurator Kristian Wegscheider eine grundlegende und Maßstäbe setzende Restaurierung, bei der auch das Pfeifenwerk und der Winddruck dem Originalzustand wieder angenähert und das Instrument wie oben beschrieben eingestimmt wurden. 2009/10 wurde als weiterer Schritt die Balganlage restauriert. Damit sind wieder alle sechs historischen Keilbälge in die Windversorgung eingebunden, gleichzeitig kann die Orgel auch ohne Motor manuell durch Kalkanten mit Wind versorgt werden. 

Der Freiberger Dom St. Marien

Der Dom mit seinen beiden berühmten Silbermannorgeln ist bedeutendster mittelalterlicher Sakralbau und zugleich Wahrzeichen der Silberstadt Freiberg. Das Gotteshaus entstand bereits um 1180 als romanische Basilika. Heute zählt der Freiberger Dom zu den Kulturdenkmälern von europäischem Rang und beherrscht als spätgotischer Bau seit Beginn des 16. Jahrhunderts den historischen Untermarkt.

Eine echte Berühmtheit ist die „Goldene Pforte“: ein spätromanisches, um 1230 geschaffenes Rundbogen-Sandsteinportal an der Südseite des Doms mit Skulpturen und reich verzierten Säulen. Mit seinen aus Dünensandstein gehauenen biblischen Skulpturen zählt es zu den Hauptwerken der deutschen Kunst des 13. Jahrhunderts. 

Ein weiteres Highlight sind die zwei reich verzierten Kanzeln. Nur wenige Meter von der mit bergmännischen Motiven versehenen Bergmannskanzel aus dem Jahr 1638 findet sich eine filigran aus dem Boden wachsende Blume – die Tulpenkanzel. Sie fasziniert durch Ihre Ausdruckskraft und ungewöhnliche Form, die an einen Paradiesbaum erinnert. Heilpflanzen verweisen auf Maria, die die Kanzel krönt.  Die Tulpenkanzel, um 1505 vom Meister "H.W." geschaffen, ist komplett freistehend und ein handwerkliches Meisterwerk ihrer Zeit.  

Die kurfürstliche Grablege der Wettiner beherbergt wertvolle Prunksärge des sächsischen Herrscherhauses. In ihrer manieristischen Ausstattung sucht sie ihresgleichen. Dominiert wird sie von einem der bedeutendsten Renaissancefreigräber, dem 1564 errichteten Kenotaph für Kurfürst Moritz von Sachsen.

Nach langer Restaurierung sind ab Herbst 2014 die den Dom umschließenden Kreuzgänge mit der gotischen Annenkapelle wieder zugänglich und präsentieren wertvollste Epitaphe der vergangenen Jahrhunderte aus der Familie von Schönberg.

Mehr Informationen und Angebote: www.freiberger-dom.de 

Silberstadt Freiberg - die Silberstadt Sachsens

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